
DAS BANDONEON DES KULTURMINISTERS
REZENSIONEN
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Pressetext Wien:
Literarischer Vermittler zwischen
Deutschland und Polen für langjährige Verdienste geehrt
Der Leipziger Autor und Liedermacher Dieter Kalka (67) ist für seine Arbeit für die deutsch-polnischen Kulturvermittlung mit der Barbara-Jurkowska-Gedenkmedaille ausgezeichnet worden. Die Preisverleihung fand am 26. Oktober im schlesischen Lwówek Śląski (Löwenberg) statt. Neben Kalka freuten sich in diesem Jahr mit Róža Domašcyna eine sorbische Lyrikerin aus Bautzen sowie Ilona Martinovska (Tschechien) und Tadeusz Dzierzyc (Polen) über den Preis.
Poesie auf dem Poetendampfer
Entsprechende Verdienste hat sich Kalka als Mitwirkender des Deutsch-Polnischen Poetendampfers erworben, der mit Schriftstellern beider Länder an Bord von 1995 bis 1999 jährlich je zehn Tage im Jahr zwischen Stettin und Görlitz beziehungsweise Wrocław (Breslau) fuhr. Poetische Gemeinschaften führten zu neuen Texten und gegenseitigen Übersetzungen. Darüber hinaus hat Kalka diverse Prosa- und Lyrik in polnischen Verlagen und deutsch-polnischen Anthologien vorzuweisen und polnische Gedichte in die deutsche Sprache übertragen.
"Mitte der 1990er-Jahre lernte ich den polnischen Lyriker und Erzähler Marek Śnieciński auf dem deutsch-polnischen Poetendampfer kennen", erinnert sich Dieter Kalka gegenüber pressetext. "Wir teilten die winzige Kabine auf dem Oderkahn und begannen unsere Texte gegenseitig nachzudichten. Nach Dutzenden Treffs entstanden Bücher und nun ein Kreis, der sich um den Dresdner Schriftsteller Peter Gehrisch sammelt. Nicht nur, aber derzeit öfter dort. Da werden die Dinge der Poesie, die Themen und Sprachen verhandelt. Dazu gesellt sich das Tschechische, Sorbische und das Serbische."
Kulturelle Brückenschläge
Die Barbara-Jurkowska-Gedenkmedaille in Bronze wird für die internationale Vermittlung von Literatur und Kunst vergeben. 2023 waren unter anderem Joanna Magacz, Axel Helbig, Milan Hrabal und Eleni Iaonnidou in Dresden prämiert worden. Inzwischen ging die Medaille an über 50 Literaten und Künstler aus mehreren Ländern, darunter England, Belarus, der Ukraine, Griechenland, die USA, Portugal, Pakistan und Australien.
Die Namenspatronin war Poetin, Journalistin und Fotografin. Nach ihrem Tod 2020 stifteten polnische Kulturschaffende alias "oGródek PoEzja" den internationalen Preis - federführend Adam Siemieńczyk aus London, der mit Nawrocki befreundet war. Wer die Rückseite der Medaille übersetzt, liest darin "Die Rosenallee im Garten der Poesie". "Nun, da ich zu dieser Allee gehöre, hoffe ich doch, dass ich noch etwas 'pflanzen' kann, ob nun Gedichte oder etwas Zukunft mit dem letzten Band meiner Roman-Triologie 'Surrolina 2122'", blickt der Leipziger Preisträger in die Zukunft.
Kurzprosa der Annäherungen
Die zwei neuesten literarischen Pflanzen im Beet seiner Veröffentlichungen sind noch ganz frisch: Im Rahmen der Preisverleihung hat Kalka sein aktuellstes Buch präsentiert, eine Koproduktion mit Agnieszka Haupe: "Dreizehn Reisen nach Oświęcim/Auschwitz". Auch dieser deutsch-polnische Band steht im Zeichen persönlicher Annäherungen. In der zweisprachigen 72-seitigen Kurzprosa wird die Geschichte von Agnieszkas Großmutter erzählt, die das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz überlebt hat und jetzt im Sterben liegt. Agnieszka macht sich auf Spurensuche nach Zeugnissen der Vergangenheit.
Zugleich hat Kalka im richtigen Leben polnische Freunde im ehemaligen Auschwitz (dem heutigen Oświęcim) gefunden. Seine Reisen dorthin thematisiert er ebenfalls in diesem Band: Begegnungen der Nachfahren von Tätern und Opfern, fröhliche Feiern in Oświęcim, den Besuch des damaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau und die Bezüge zum eigenen Erfahrungshorizont: "Es gehört zu meiner Biografie, schon immer, ob ich nun will oder nicht. Buchenwald. Meuselwitz. Majdanek. Auschwitz. Birkenau. Schöne Ortsnamen. Einer wie der andere. Die Orte sind besudelt, müsste man meinen."
Das Spannungsfeld emotionaler Betroffenheit angesichts der schrecklichen Vergangenheit zeigen Kalka und Haupe in diesem Buch ebenso auf wie die gemeinschaftliche Bewältigung solcher Brüche. Aller Gräueltaten zum Trotz ist so eine Aussöhnung möglich.
Schelm im Gefüge der Systeme
Recht aktuell ist auch Kalkas kurzweiliger Schelmenroman "Das Bandoneon des Kulturministers", der im Dezember 2023 in der Akademische Verlagsbuchhandlung Friedrich Mauke erschienen ist. Darin geht es um ein kleines Land, auch "Tätärätä" genannt. Dort regiert eine allmächtige Partei, mit einem Jugendverband und Agitationsgruppen. Dazwischen lebt und singt der Liedermacher Hans Hjobkowski vom Alltag. Dafür wird er gelobt und gerügt. Laut Verlag "ein Schelmenroman im Gefüge zweier Systeme, das eine dem Zerfall preisgegeben, das andere noch einmal in die Höhen aufsteigend bis zu Selbstgefälligkeit und Dekadenz".
"Über dem Land schwebte ein Ballon, ein riesiger Ballon, gefüllt mit Inhalten, die mit 'I' begannen wie Ideen, Ideale und Idioten", heißt es im Prolog. "Er wuchs beständig und hatte alsbald ein Sechstel der Welt umspannt. Ob ich die Leitbilder seiner Zeit teilte oder nicht, ich saß fest und konnte, wie die Menschen zu keiner Zeit, nicht heraus. Wenn man es nun hinter sich hat, ist leicht reden." Nach dem Systemwechsel wird Hans mangels Auftrittsmöglichkeiten Fahrer einer Kaffeefirma. Ein hartes Brot für Kalkas Alter Ego - und ein Stoff, den der Autor unterhaltsam mit temporeichem Wortwitz serviert.
Vielseitige Künstler-Vita
Der gebürtige Altenburger, der heute in Leipzig und Meuselwitz lebt, hat sich in den 1980er-Jahren in der DDR zunächst als Liedermacher einen Namen gemacht. Laut dem Journalisten Harald Pfeifer galt Kalka als "Rebell der Leipziger Liederszene". Im Herbst 1989 war er bei allen Solidaritätskonzerten in Leipzig dabei. Seine Konzerte führten ihn auch nach Polen, Belarus, Tschechien, Ungarn, die Schweiz, Österreich und Dänemark. Auch vertonte er polnische Lyrik und sang Lieder auf Jiddisch, Belarussisch und Polnisch.
Als Schriftsteller hat Kalka, der auch als Logopäde arbeitet, zahlreiche Gedichte veröffentlicht, außerdem Übersetzungen, Dramatisches und Essays, wie die Streitschrift "Negerküsse in Zigeunersoße" (2021) zum Wandel der Sprache. Für seine musikalischen und literarischen Werke hat er diverse Preise und Stipendien erhalten. Es ist davon auszugehen, dass auch in Zukunft einiges von ihm zu hören beziehungsweise zu lesen sein wird.
Aktuelle Literatur von Dieter Kalka
Agnieszka Haupe/Dieter Kalka: Dreizehn Reisen nach Oświęcim/Auschwitz. Mit Bildern von Halina Kozioł. Edition Beulenspiegel im AndreBuchVerlag, Lengenfeld, Vogtland, 2024. 72 Seiten, 10 Euro.
Dieter Kalka: Das Bandoneon des Kulturministers. Ein Schelmenroman. Mit Zeichnungen von Jürgen Wolff. Akademische Verlagsbuchhandlung Friedrich Mauke, Jena, 2023. 340 Seiten, 29,90 Euro.
"Literarische Meisterstücke", schreibt Prof. Czejarek / Warszawa
Polecam też „książeczkę” (liczącą zaledwie 70 stron), choć pojawia się późno, gdyż na jej temat rozmawiałem z autorem kilkanaście lat temu. Wtedy Dieter Kalka opowiadał mi o zamiarze napisania tych opowiadań, ale ukazały się dopiero teraz, w 2024r. I dobrze, że się ukazały, bo Auschwitz to temat, który nigdy nie powinien zejść z wokandy. Zwłaszcza, gdy o tej zbrodni piszą Niemcy, wstydząc się po latach tego, co dokonali za czasów nazizmu.
Dlaczego o tej książce w swojej rubryce piszę? Gdyż jest autentyczna, prawdziwa i opowiada z ogromnym wzruszeniem o dramatycznych przeżyciach ludzi, jeśli w ogóle dane im było przeżyć!
Autor (mający po części i polskie korzenie) wyznaje, że dziś potomkowie sprawców i ofiar tej tragedii, jaką był Auschwitz, spotykają się, aby przypominać o tamtych strasznych latach, które oby nigdy więcej się nie powtórzyły. „Aby odłożyć na bok jakiekolwiek megalomanie, a pamiętać o współczuciu”, którego wtedy ich ojcom, wujkom czy dziadkom zabrakło!
To , co mi się u Kalki najbardziej spodobało (i przekonało do niego), to wyznanie, że przez pierwsze sześćdziesiąt pięć lat swego życia: „kroczył przez życie jako Niemiec”, ale dowiedziawszy się m.in. o Auschwitz, „próbuje teraz żyć także jako Polak, by odzyskać równowagę po tym, co się stało”. Polecam w każdym razie jego książkę o Oświęcimiu-Auschwitz w przekładzie Agnieszki Haupe i ze zdjęciami Haliny Kozioł. Tym bardziej, iż są LITERACKIM MAJSTERSZTYKIEM!
Jeszcze kilka zdań o autorze:
Rocznik 1957. Prozaik, także autor wielu interesujących tekstów piosenek. W Polsce ukazały się m.in. jego „Wszystko to tylko teatr”, „Podwójne o potrójne”, „Lubelska winda”. Obecna książka ukazuje się jako „dwujęzyczna”. Studiował germanistykę, psychologię i logopedię w Lipsku i Zurichu. Jest autorem wielu ciekawych projektów literacko-plastycznych; prowadzi też własny gabinet logopedyczny, gra na bandoneonie i nieźle śpiewa.
Agnieszka Haupe / Dieter Kalka: „Oświęcim. Auschwitz. Trzynaście wizyt”, ze zdjęciami Haliny Kozioł, Edition Beulenspiegel w AndreBuchVerlag. Niemcy (druk w Olsztynie), s. 71, br., 2024, ISBN 978-3-9499143-40-3